Internetwerkstatt
  

Im  März 1998 wurde das Spinnenwerk-Internet-Café "Netti" des Verbandes für sozial-kulturelle Arbeit als erstes im Rahmen des Projektes "Internetcafés in der Jugendarbeit" im Pestalozzi-Fröbel-Haus eröffnet. Der Internetzugang an den mittlerweile 7 Computern steht Jugendlichen zwischen 13 und 18 Jahren Montag bis Freitag zwischen 16.00 und 20.00 Uhr
kostenlos zur Verfügung. Zusätzlich zum Internetzugang können Scanner, Drucker, digitale Kamera, Videobeamer sowie Soundkarten genutzt werden, um mit den PCs zu arbeiten. Die Betreuung der Jugendlichen und der Rechner findet durch technisch und pädagogisch geschulte Honorarkräfte statt.

In den Vormittagsstunden wird das Internet-Café von Lehrer/inne/n und Schüler/inne/n des  Pestalozzi-Fröbel-Hauses vor allem für Unterrichtszwecke genutzt. Neben den Nutzungszeiten durch die Schule und den täglichen Öffnungszeiten für die Jugendlichen wird das Netti auch anderen Einrichtungen zur Verfügung gestellt und es finden Seminare für Jugendgruppen, Jugendeinrichtungen und Multiplikatoren statt. In den Ferienzeiten gibt es besondere Einführungsangebote für Jugendliche und auf Initiative des PFHs gab es in den Herbst- und Winterferien Internetkurse für Kinder von 7 bis 10 Jahren.

In den 3 Jahren wurde das Angebot von über 700 Mädchen und Jungen genutzt. Ein Teil dieser Jugendlichen kommt mit einiger Regelmäßigkeit, wobei die Offenheit für neue Nutzerinnen und Nutzer durch ein entsprechendes Regelwerk gewährleistet ist.

Für den weitaus größten Teil der Jugendlichen bietet "Netti" die einzige Möglichkeit, mit einem Computer bzw. dem Internet in Kontakt zu kommen und somit erhalten auch sozial Schwächere die Chance, an diesem Medium teilzunehmen und den Umgang mit dieser Zukunftstechnologie zu erlernen. Die wenigen Jugendlichen, die zu Hause über einen Internetzugang verfügen (fast nur männliche), nutzen das "Netti", um sich auszutauschen oder auch um ihr Wissen an andere Jugendliche weiterzugeben. Dabei werden soziale Kompetenzen wie Teamarbeit und Verständnis im Umgang miteinander erlernt. Aber
nicht nur die Jugendlichen profitieren von ihnen, sondern auch die erwachsenen Betreuer und Betreuerinnen. Der Anteil der Mädchen lag in den ersten beiden Jahren bei 45% . Für die meisten von ihnen war es der erste Umgang mit einem Computer und der Verbindung zum Internet. Ihr Hauptinteresse galt sofort dem Chatten.

Um auch Kolleginnen und Kollegen aus der Jugendarbeit die Möglichkeit zu bieten, sich an das Internet heranzutasten oder Projekte zu planen, ist das "Netti" für sie jeweils dienstags von 20 bis 22 Uhr geöffnet.
Die Betreuung des Bereiches Homepages  von "Jugend von Berlin" (http://jugendserver.spinnenwerk.de)  beinhaltet spezielle Angebote auch für  Nicht-Netti-Nutzer/innen zur Erstellung  einer eigenen Homepage,  Hilfe und Unterstützung bei der inhaltlichen und technischen Umsetzung der eigenen Vorstellungen und Projekte.
 
Die Betreuung des Bereiches Homepages  von "Jugend von Berlin" (http://jugendserver.spinnenwerk.de)  beinhaltet spezielle Angebote auch für  Nicht-Netti-Nutzer/innen zur Erstellung  einer eigenen Homepage,  Hilfe und Unterstützung bei der inhaltlichen und technischen Umsetzung der eigenen Vorstellungen und Projekte. 

 
 
Einige Erfahrungen mit den Nettistinnen und Nettisten 

Unser erstes Nutzungskonzept sah u.a. Schwerpunkte an den verschiedenWochentagen (special events) vor:
montags: Chatten bis zum Abwinken
dienstags: Einführung für Ersteinsteiger
mittwochs: Internet-Recherche zu ausgewählten Themen
("Gruppensurfen" auf der Großbildwand)
donnerstags: create your own homepage/publizieren im WWW
freitags: Email und Newsgroups
(jeder Besucher erhält auf Wunsch eine eigene e-Mail-Adresse über die Spinnenwerk-Mailbox)

Es stellte sich sehr schnell heraus, daß dieses Konzept nicht den Bedürfnissen der Besucherinnen und Besucher entsprach. Ihr Interesse galt den Chat-Seiten im WWW. Die Kommunikation mit gleichaltrigen Jugendlichen stand ganz eindeutig im Vordergrund. Ein weiterer Trend war das Quizzen im Chat ("wie heißt die Hauptstadt von Italien", "wo liegt denn Freiburg", "Ruhrpott, was ist denn das"?...).

Neben dem Chatten wird das "Netti" mittlerweile zum Suchen im WWW, als Quelle für Bildbearbeitungen oder für dieProgrammierung einer eigenen Homepage genutzt. Die Nutzung des World Wide Web ist das zweitgrößte Interessensgebiet. Hier stehen Informationen zur Ausbildungsplatzsuche und Hausaufgabenrecherche oben auf der Prioritätenliste. Unserer Erfahrung nach folgt mit zunehmender Übung beim Chatten auch das Herantasten an die weiteren Nutzungs- und Informationsmöglichkeiten des Computers und dem Internet.
 
 
 Wir wollen das Netti für uns und unsere Freunde:

Durch die große Anzahl der Jugendlichen, welche die Angebote im Internetcafé nutzten, und die begrenzte Räumlichkeit war es nicht möglich, daß sich alle Gruppen dort gleichzeitig aufhalten. Eine Alternative wurde im Vorraum des PFH geschaffen. Parallel dazu versuchte eine Clique, andere Jugendliche von der Nutzung auszugrenzen. Neulingen gegenüber äußerten sie offen ihren Mißmut darüber, daß sie auch noch kommen. Sie wollten das "Netti" als ihre Einrichtung umzufunktionieren. "Netti"-Hinweisschilder wurden entfernt -  von uns wieder produziert und aufgehängt. Auswirkungen waren sichtbar: einige Jugendliche, vor allem Mädchen, hatten  aufgrund der negativ veränderten, Atmosphäre, die durch diese Gruppe geprägt war, kein Interesse mehr zu kommen. In  Diskussionen vertrat die Clique ihre ausgrenzenden Verhaltensweisen und verzeichnete das Fernbleiben anderer für sich als Erfolg.
Wir konnten ihr Bedürfnis nach Räumlichkeiten verstehen und waren auch bereit, ihnen bei der Suche und Bereitstellung zu unterstützen, aber wir konnten und wollten es nicht zulassen daß sich das Netti auf eine Nutzerzahl von ca. 20 Jugendlichen beschränkt. Aus diesem Grund und der leider immer wieder aufgetretenen Zerstörungen im Vorraum wurde es  notwendig, "Netti"-Nutzungsregeln einzuführen.  Insgesamt hat dies eine positive Veränderung bewirkt: nach einem kurzen (Trotz-) Zeitraum sind wieder ehemalige und neue Nutzer/inne/n im "Netti" und auch das Verhältnis zu und mit der beschriebenen Gruppe ist harmonisch.
 
 
O-Ton einiger Nettistinnen und Nettisten zur Frage, warum sie ins Internet-Café kommen:
"Weil es umsonst ist - Chatten, Homepage - Chatten, e-mail"
"e-mails schreiben, Chatten, Surfen, Spaß haben, Cola trinken,
  Homepage basteln"
"Chatten, Freunde, Spaß!"
"Chatten, Weiterbildung mit Computern, Zeitvertreib, Homepage,E-Mail"
"Um keinen Scheiß zu machen - um mit anderen Leuten zu
  kommunizieren  - Mailbox checken/chatten!"
"Um zu chatten/welche kennenzulernen"

 
 O-Ton eines neuen Kollegen nach den ersten Wochen seiner Netti-Dienste:
meistens ruhige Atmosphäre
Jugendliche gehen sehr natürlich mit neuer Technologie um
Selbstverständlichkeit der neuen Medien ohne unnötiges Hintergrundwissen
(wie schraube ich einen Rechner auf)
neue Ausdrucksmöglichkeiten: Email, Web, Chat
es entwickelten sich viele Freundschaften durch das Netti und über das Netti hinaus
Austesten von Grenzen: Welche Inhalte kann ich mir anschauen, wo werden mir Grenzen gesetzt
Eindeutig verbesserte Chancen für das Berufsleben - die Netti-User schreiben manchmal
Bewerbungen am PC und verfügen über Grundkenntnisse
interessant ist der Anteil an weiblichen Nutzerinnen
für die Stammnutzer hat sich die Nutzung des Webs als Alltäglichkeit eingeschliffen. Es ist normal
wie Telefon und Fernseher. Eine neue Mediengeneration (Screenager statt Teenager)?

 
 
Netti - Neu 

In den letzten Jahren sind die Möglichkeiten zur Internetnutzung wesentlich erschwinglicher und damit verbreiteter geworden. Wenn wir dafür plädieren, daß es wichtig ist, Jugendlichen die Internetnutzung aufgrund der Chancengleichheit zu ermöglichen, ist es um so wichtiger, dass wir ihnen diese Chancen aufzuzeigen und sie befähigen, sie für sich zu nutzen. Viele neue Nutzer/innen sind noch der Überzeugung, "das Internet" sei gleichzusetzen mit Chatten oder Surfen. Unser Anspruch besteht darin, Jugendliche nicht nur anzuleiten, im Netz zu 'surfen', sondern ihnen auch die Fähigkeit zu vermitteln, aus der Informationsvielfalt des Internet die für sie relevanten Informationen herauszufinden (angeleitete Suche, Benutzung von Suchmaschinen) und effektiv für sich zu nutzen. Dazu zählen wir vor allem kreative und kommunikative Angebote (nicht nur konsumieren!) und Projekte, die gemeinsam geplant und durchgeführt werden. Wir können das Bedürfnis der Jugendlichen "Chatten bis zum Abwinken" nachvollziehen, anderseits kann sich das Angebot nicht darauf beschränken. Die Neuerungen beinhalten neben dem neuen Namen "Netti - Internetwerkstatt" eine Privilegierung anderer Nutzungsformen, z.b. für Homepageerstellung, Internetrecherche, "Jugend von Berlin". Die Jugendlichen haben zum Chatten ein monatliches Zeitkontingent von 5 Stunden (das entspricht ihrer früheren durchschnittlichen Nutzungszeit). Den Rechnern wurden nutzungsorientierten Funktionen zugeordnet: 3 Rechner für Homepageerstellung, Internetrecherche..., 3 Rechner zum Chatten und 1 Rechner für kurzfristige

Aufgaben, z.b. für Abruf von Emails. Ein Tag in der Woche ist das "Netti" für Jugendliche und Kollegen aus Jugendeinrichtungen geöffnet: für einen längeren Zeitraum können sie sich Erfahrungen und Wissen im Umgang mit dem Internet aneignen und diese dann in ihre Einrichtungen einbringen. Im Frühjahr 2000 gab es eine weitere Neuerung: dank des Pestalozzi-Fröbel-Hauses konnten wir in neue Räume eines ehemaligen Laden einziehen.
Verbunden mit diesem Umzug war auch eine neue Raumgestaltung: die Anordnung der Computertische (mit versenkten Monitoren) in einem geöffneten Kreis. Dies bewirkt, daß die Benutzer/innen nicht nur den Monitor, sondern auch die anderen sehen und noch besser  miteinander kommunizieren können - und nicht nur mit dem Cyberspace. Mit Ausnahme vereinzelter Jugendlichen aus der Clique, die versuchten, daß Netti für sich zu vereinnahmen, wurden die veränderten Nutzungsformen und die größere Offenheit nach außen (und innen) von den Jugendlichen positiv auf- und angenommen.
 

Verbunden mit diesem Umzug war auch eine neue Raumgestaltung: die Anordnung der Computertische (mit versenkten Monitoren) in einem geöffneten Kreis. Dies bewirkt, dass die Benutzer/innen nicht nur den Monitor, sondern auch die anderen sehen und noch besser  miteinander kommunizieren können - und nicht nur mit dem Cyberspace. Mit Ausnahme vereinzelter Jugendlichen aus der Clique, die versuchten, dass Netti für sich zu vereinnahmen, wurden die veränderten Nutzungsformen und die größere Offenheit nach außen (und innen) von den Jugendlichen positiv auf- und angenommen.

Anhang
 

Weitere Informationen unter:                       http://www.spinnenwerk.de/netti/

"Netti" ist ein Internet-Cafés der ressortübergreifenden Initiative 'Projekt Zukunft - Der Berliner Weg in die Informationsgesellschaft' für Jugendliche in Berlin und wird gefördert durch die Jugend- und Familienstiftung des Landes Berlin, das Bezirksamt Tempelhof- Schöneberg von Berlin, das Pestalozzi-Fröbel-Haus und der COM.BOX.